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News




Die Konferenz an der Birs
 

Anfangs März, kurz vor Eröffnung der Fischersaison, haben wir 10 mündige Bachforellen zu einer Konferenz eingeladen und sie gefragt: Wie geht es Euch?

Es meldete sich spontan eine der Forellen zu Wort und beklagte bitterlich, dass immer mehr Artgenossen mit der Proliferativen Nierenkrankheit infiziert seien und viele bei Wassertemperaturen über 15 °C sterben müssten.

Die zweite Bachforelle, eine sehr schön rot gepunktete, ergänzte, ihr mache sehr zu schaffen, dass im Fett vieler Forellen PCB, Polychlorierte Biphenyle, also giftige, krebsauslösende chemische Chlorverbindungen festgestellt wurden. Der zulässige europäische Grenzwert sei bei einigen bereits deutlich überschritten.

Die dritte Forelle beklagte sich, dass ihr Lebensraum durch zu viele Kleinwasserkraftwerke und Verbauungen immer mehr eingeschränkt würde.

Die vierte Bachforelle, ein Weibchen, machte sich grosse Sorgen um genügenden Nachwuchs. Viele ihrer männlichen Artgenossen, welche unterhalb von Kläranlagen lebten, seien zwischenzeitlich durch nicht abbaubare Substanzen, wie Antibabypillen, unfruchtbar geworden.

Die fünfte Forelle ergänzte diese Entwicklung, mit der Bemerkung, in ihrer Heimat fehlten immer mehr genügend Laichplätze, die Stauseen der Kleinwasserkraftwerke seien zu stark sedimentiert. Hochwasser im Frühjahr würden zudem viele Laichgruben zuschütten.

Die sechste Bachforelle war sehr enttäuscht, dass die Wanderung bachabwärts nur durch viele Turbinen hindurch noch möglich sei. Verletzungen und Tod seien an der Tagesordnung. Zudem bereite ihnen die unkoordinierten Stauraumentleerungen sehr viel Sorgen.

Die siebte Bachforelle, eine bereits krank aussehende, dünne ihrer Art, beklagte während 3-4 Monaten im Sommer zu hohe Wassertemperaturen. Bei über 24 °C nehme die Appetitlosigkeit  überhand – dies führe oft dann auch zum Verhungern.

Die achte Forelle, ein älteres männliches Exemplar, hatte mehr den Winter, die Laichzeit, in seiner Beurteilung. Dann nämlich würden die fischfressenden Vogelarten, wie Kormorane, Graureiher und Gänsesäger einfliegen  und das Laichgeschäft stören. Viele Freunde würden dann auch verletzt.

Die neunte meinte dazu, die nach Hochwassern unvernünftige Rodung aller Bäume und Sträucher entlang der Wasserlinie, würden nicht nur die noch vorhandenen  Schattenplätze vernichten, nein auch der letzte Unterschlupf, um sich gegen jagende Kormorane und Gänsesäger zu schützen, würde durch zusätzliche Begradigungen entfernt.

Die zehnte Bachforelle, eher ein wissenschaftlicher Typ, hat festgestellt, dass das Nährtierangebot auf ein Minimum zurückgegangen sei. Dies sei wahrscheinlich auch eine Folge der grossen Geschiebe bei zunehmenden Hochwassern. Er befürchte auf Grund seiner Beurteilung, dass seine Art, die Bachforellen, wenn nicht ein Wunder geschehe, bald am Aussterben sei.

Etwas deprimiert haben wir nach 2 - stündiger Diskussion unsere Konferenz als beendet erklärt. Auf dem Heimweg sagte Fischer Fritz- zu Fischer Hans: Die Hauptsache, wir Menschen sind gesund!

Wie lange noch ??

Paul Gubler, 08.03.2008

Paul Gubler, Austrasse 65, 4147 Aesch Tel. 061 751 30 62 E-Mail: egb.swiss.gubler@intergga.ch
 (NB. PCB: 
http://de.wikipedia.org./wiki/Polychlorierte
Biphenyle )



Seminar Fischnetz/FIBER
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www.fischnetz.ch

 

 

 

Neue Importbestimmungen für Fischer und Jäger

 

Einige Gedanken zum Hochwasser vom 9. August 2007

 

WASSERVOGELBERICHT

WINTERHALBJAHR 2006/2007

 

 

Kantonaler Fischereiverband Baselland        
Paul Gubler, Präsident Kantonaler Fischereiverband Baselland

Vortrag gehalten anlässlich der DV 2007

In Abwägung aller Interessen … verliert der Fisch!

Ich habe in diesem Jahr die Defizite im Öko-System der Gewässer zum Thema gemacht. Defizite, die wir Menschen selbst verantworten müssen, und Defizite, die in der Natur entstehen.

• Defizite bei den Fischbeständen durch zunehmende Anzahl fischfressender Vögel
• Defizite durch zunehmende Fischkrankheiten (PKD)
• Defizite durch den Klimawandel wie höhere Wassertemperaturen und mehr Hochwassersituationen
• Defizite durch uneinsichtige Kraftwerkbetreiber, die unter dem Label „Oekostrom“ keine Rücksicht nehmen auf natürliche Flusslandschaften, auf die Durchwanderbarkeit für Fische, auf die Selbstreinigungskraft der Gewässer, auf höhere Wassertemperaturen in Stauräumen, auf Abflussregime und Geschiebeführung
• Defizite durch nicht abbaubare Pharmazeutika und Chemikalien aus Kläranlagen
• Defizite durch wiederkehrende Gewässerverschmutzungen und Fischsterben, die in fast allen Fällen ungenügend geahndet werden
• Defizite durch fremde Kleinlebewesen aus aller Welt, die in unsere Gewässer einwandern und eingeschleppt werden. ( 27 Arten "Neozoen" im Rhein aus Asien, Afrika, aus Neuseeland, Nord-Amerika, Süd –Europa )
• Defizite durch Schwall- und Sunkbetrieb von Staukraftwerken

Alle diese Defizite wirken sich für die Fische katastrophal negativ aus und bescheren uns Fischenden, trotz grossem Engagement zu Gunsten gesunder Fischbestände und deren Lebensräume, immer neue Herausforderungen, denen wir bald nicht mehr gewachsen sein werden.

Einer der Gründe ist, dass wir zu oft mit unsern Problemen allein gelassen werden, weil sich die Öffentlichkeit der Wichtigkeit dieser Defizite kaum bewusst ist und Staat, Politik und Wirtschaft sich in 8 von 10 Projekten gegen die Natur oder für einen oft unerfreulichen Kompromiss entscheiden.
Alle diese Instanzen entscheiden sich nicht gegen uns Fischer, sie entscheiden sich prioritär für das Wachstum, für die Energieproduktion, für mehr Arbeitsplätze, für den Hochwasserschutz, für Wirtschaftlichkeit.
Sie alle können selten dazu bewegt werden, sich prioritär zu entscheiden für mehr Raum für Gewässer, für mehr Fliess-Strecken, für geöffnete Nebenbäche, für die Durchwanderbarkeit für Fische, für die Erhaltung unserer letzten natürlichen Gewässerabschnitte.
Die Bonitierung der Baselbieter Gewässer hat uns die seit langem bekannten Defizite erneut klar aufgezeigt. In der Baselbieter Birs müssen wir 90 000 Bachforellen-Sömmerlingseinheiten jährlich produzieren, um den bescheidenen nachhaltigen Ertrag der letzten 10 Jahre sicherzustellen. Wohlverstanden: nicht um den Ertrag zu erhöhen, sondern um die Defizite auszugleichen. Mindestens 4000 Fronarbeitsstun-den sind jährlich dafür zu leisten, soll die ökologisch sinnvolle Besatzpolitik Erfolg haben. Auf den ganzen Kanton BL bezogen sind dies umgerechnet gegen drei Vollzeitstellen.

Dabei wäre es ja vermessen zu behaupten, niemand in der Schweiz würde sich für eine bessere Zukunft der Fische und der Gewässer engagieren.
Auf der einen Seite setzen sich die kantonalen Wasserbauabteilungen, die Industriellen Werke, die Gewässerlabors und Naturschutzstellen der Kantone für Revitalisierungen, bessere Kläranlagen, Gewässerkontrollen u.a.m. hauptamtlich ein.
Auf der andern Seite, der Seite der Fischerei, sind es die Sektion Fischerei des Bundesamts für Umwelt, die EAWAG in Zürich und Kastanienbaum, dann in allen 26 Kantonen und Halbkantonen die Kantonalen Fischereifachstellen, das Zentrum für Fisch und Wildmedizin FIWI in Bern, die Fischereiberatungsstelle FIBER, das Projekt Fischnetz-Schweiz (+), Schweizerische Berufs - und Fischereiverbände sowie 4 Fachstellen an Universitäten in Bern, Basel, Zürich und Lausannne. Zusammen mit vielen selbstständigen fischereiwissenschaftlichen Büros sind viele Fischereifachleute für eine bessere fischereiliche Zukunft am Werk.

Tatsächlich erscheinen auch unzählige Expertisen und gescheite Studien, wie z.B. Fischnetz – CH, die allesamt auf dringend notwendige Massnahmen hinweisen. Dabei sind aber zwei weitere Defizite zu beklagen:

1. Alle diese Erkenntnisse werden selten koordiniert – Eine erste Ausnahme war Fischnetz - CH. Deshalb sind Doppelspurigkeiten und sich widersprechende Meinungen zum gleichen Thema an der Tagesordnung. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Die Flut an Berichten überfordert die Politik.

2. Die Entscheidungsträger nehmen diese vielen guten Ratschläge selten ernst,
sehr selten. Wenn es einmal eng wird, ein wirtschaftlich begründetes Projekt zu bewilligen, dann werden Expertisen und Gegenexpertisen erstellt, bis ein Ausweg zu Gunsten des Profits gefunden ist.

Vor Ort an den Fliessgewässern, erleben wir deswegen seit etwa 1980 sinkende Fischbestände, insbesondere Bachforellen und Äschen.
Das bedeutet:
- immer weniger Fische, immer weniger Leute gehen Fischen, immer weniger Fischer sind Mitglieder der Vereine und beziehen ein Fischerpatent für Fliessgewässer. 1992 hatten am Hochrhein über 6162 Personen gefischt, 2005 waren es gerade noch rund 1958 Fischer – weniger als ein Drittel.
- Die Fischereivereine und Pächter stossen so an die Grenze der freiwilligen Arbeit.  Sie sind bald nicht mehr in der Lage, die zunehmenden Kosten für Pachtzinsen und Fischbesatz zu bezahlen.
- Die Fischenden sind zunehmend frustriert, weil keine Fortschritte sichtbar sind.

Welche Ideen führen zu Fortschritten:
• Wir Fischer müssen auch zukünftig solidarisch, kompetent und geschlossen auftreten und sich als Ansprechpartner für alle Fragen zu Fischen und Fischerei profilieren. Wir müssen die Öffentlichkeit überzeugen.
• Wir müssen uns für die Fische einsetzen, weil wir allen Lebewesen eine gleiche Überlebenschance einräumen wollen. Bisher galt dies für fast alle Tiere, auch für die Vögel, nur nicht für die Fische.
• Die Fischer dürfen sich nicht aus der Politik zurück halten: Alles, was in unseren Gewässern geschieht – sei es die Prädation, sei es Schwall und Sunk, sei es die Durchwanderbarkeit für Fische oder Gewässerverschmutzungen etcetera – sind alles hoch politische Fragen!
• Sowohl auf Bundes wie auf kantonaler und Gemeindeebene müssen wir deshalb Politiker aller Couleur für unsere gute Sache gewinnen.
• Wir müssen mit allen Mitteln auch die Öffentlichkeit für uns gewinnen.
Viele Leute essen gerne Fisch und sind deshalb ansprechbar für das Überleben der Fische – gerade vor der eigenen Haustüre! Diese Menschen sind empfänglich für unseren stetigen Einsatz zu Gunsten der Fische. Warum ist der Biber plötzlich wieder breit ein Thema, nicht aber die genauso leidenden Fische? Es braucht eben eine professionelle, clevere und längerfristige Informationkampagne!
• Die gute Zusammenarbeit und Koordination der Fischereipolitik mit den kantonalen Fischereifachstellen muss noch verstärkt werden. Wir sitzen im gleichen Boot und müssten uns gemeinsam für die Fische einsetzen, für alle Arten von Fischen.
• Auch der Zusammenarbeit mit der Fischereiwissenschaft ist grösste Beachtung zu schenken. Praxis und Theorie gehören zusammen!
• Die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei im Tourismus, der Fischereiartikel-branche, der Fischimporteure und des Fischverkaufs sowie der Bootsindustrie müssten wir deutlicher als heute ins Bewusstsein rücken.
• Den Vollzug der gesetzlichen Grundlagen müssen wir bei Bund und Kantonen mit Nachdruck einfordern. Im Bundesgesetz und in Kantonalen Fischereigesetzen lese ich zum Beispiel "Er (der Bund, der Kanton) gewährleistet eine nachhaltige Nutzung der Fisch und Krebsbestände" oder im Bundesgesetz über den Schutz der Gewäs-ser Art. 1. u. a. – Zweck des Gesetzes sei: "die Erhaltung der Fischgewässer" oder "die Erhaltung natürlicher Lebensräume für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt".
• Die Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen wir in die Pflicht nehmen, in Abwägung aller Interessen wieder vermehrt der Natur den Vorrang zu geben. Dies sind wir unseren Kindern schuldig.

Deshalb müsste endlich – nach Jahren der Verzögerung – auch ein funktionierender Fischaufstieg in Form eines Umgehungsgewässers beim Kraftwerk Birsfelden gebaut werden. Darum sollte die EBL an der Birs bei Zwingen kein neues Kleinwasserkraft-werk bauen, sondern den Kanton sein naturnahes Revitalisierungsprojekt realisieren lassen. Zwischen Laufen und Grellingen sind bereits heute 6 Kleinwasserkraftwerke in Betrieb, die das Gefälle verringern, das Gesteinsgschiebe blockieren und die Fischwanderung behindern. Das Fliessgewässer, unsere Birs, wurde in diesem Bereich zerstört – alles unter dem Label „Oekostrom“!
Wir Fischer stehen hinter einer vernünftigen Energiegewinnung, verstehen aber unter "vernünftig" auch naturverträglich!

Petri – Heil Paul Gubler


Das stille Sterben im Bach vor der Haustüre - Fische und Fischer werden rar KFVBL-DV in Bubendorf

Viele Gewässer sind viel sauberer geworden - aber leider nicht viel lebendiger: Die Fischbestände nehmen auch in der Region Basel dramatisch ab, und kaum jemand bemerkt das. Die Fischenden leiden so still wie das Objekt ihres Interesses. Der scheidende Kantonalpräsident Paul Gubler rüttelte die KFVBL-Delegierten am Donnerstag mit einem Abschieds-Appell auf, nicht locker zu lassen.

Wasserbewohner haben natürliche Feinde wie Raubvögel oder Parasiten, aber auch menschliche: Das grösste Problem ist der unnatürliche Zustand vieler Gewässer – manche Flüsse sind für Kormorane, Gänsesäger und Graureiher wie Fischteller – und speziell die Übernutzung durch die Energiewirtschaft. Jeder Stau bremst das Geröll, was Laichplätze zerstört, und heizt das Wasser weiter auf. Der Klimawandel verheisst gar nichts gutes, und Restwasser ist immer noch ein Problem, selbst an der Birs. Dazu kommen massenhaft verwendete Alltags-Chemikalien, die Wasserlebe-wesen schleichend bedrohen. Schon heute ist zum Beispiel absehbar, dass man sich auch im Raum Basel wohl mittelfristig von der anspruchsvollen Bachforelle verab-schieden muss.

Fischer werden in der Öffentlichkeit als Fisch-Nutzer missverstanden, obwohl seit langem Fang und Aufwand in einem derart krassen Missverhältnis stehen, dass es nur mit viel Liebe zur Natur und viel freiwilliger Arbeit zu ertragen ist. Dabei sind sie mobiles Frühwarnsystem und hartnäckige Fisch-Anwälte der ersten Stunde. Sie kämpfen etwa bei Kraftwerkprojekten um die Einhaltung geltenden Rechts – das ist leider keine Selbstverständlichkeit, wenn Wachstum und Profit prioritär und "öko" nur ein Propaganda-Attribut ist.

Jetzt aber, mit den Fischen, sind auch die Fischer quasi vom Aussterben bedroht: Innert 15 Jahren ist die Zahl der Fischer am Hochrhein um volle zwei Drittel zurück gegangen. Vereine drohen so zu kollabieren, Ehrenämter sind nicht mehr gefragt. Dabei braucht es just noch mehr Effort, der Fischerei noch mehr Niveau zu geben, etwa mit Kursen für alle am Bach, sowie Ausbildung für freiwillige Aufseher.

Lichtblicke sind Revitalisierungsprojekte wie "BirsVital", Forschungsvorhaben wie "Fischnetz Schweiz" oder der starke Rückhalt für die Volksinitiative "Lebendiges Wasser" mit fast 162'000 Unterschriften landesweit. Selbst neue Fischervereine werden vereinzelt gegründet, wie unlängst in Giebenach. Und Paul Gubler hat einen Nachfolger: Mit Vize Urs Campana ist am Donnerstag ein erfahrener und engagierter Verbands-Fischer an die Spitze nachgerückt.


 

Protokoll der DV 20

 

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