Die Galgenfischerei


Die Galgenfischerei

Auch wenn Baselland über keinen See verfügt, bietet der Kanton Gelegenheit für abwechslungsreiche Angelmethoden. Als wasserreichstes Fliessgewässer der Schweiz verlässt der Rhein hier unser Land. Seit alten Zeiten hat sich an seinen Ufern die „Galgenbährenfischerei“ etabliert. Nicht zu verwechseln mit den „Salmenwoogen“, die auf einem  andern mechanischen Prinzip beruhen. Diese Galgen waren früher oft einfache Konstruktionen ohne Wetterschutz für den Fischer. Mit wachsendem Wohlstand wurden sie zusehends bequemer und mit einer mehr oder weniger einfachen Hütte versehen.
 





 

Als Folge der Erstellung der Hafenanlagen (1938) und dem Aufstau des Rheins durch das Kraftwerk Birsfelden (1952) verschwanden die meisten Galgen im Kantonsgebiet Baselland. In den Gemarkungen der Gemeinden Birsfelden und Muttenz, auf einer Uferlänge von 6 km, mussten 30 Stück abgebrochen werden. Im Bann Augst auf 2,2 km Uferlänge sind aber noch 13 Galgen erhalten geblieben, in Pratteln noch drei, an der Birsmündung in Birsfelden noch zwei.



   

 

Die Fangerträge sind heute bescheiden. Als Grössenordnung diene: im gesamten Stau Birsfelden, Fläche 81 ha, wurden im Jahr 2000 durch rund 300 Angler noch 1300 Fische mit 800 kg gefangen, davon die Galgenfischer bescheidene 25 Stück mit 25 kg. Man sieht, die vom Laien vielleicht als ergiebige Methode betrachtete Galgenfischerei ist dies bei weitem nicht mehr. Der Rückgang entspricht dem allgemeinen Trend im Lande, wurden doch 1977 im Stau noch 12'800 Fische mit 2'750 kg erbeutet.

Die Galgenfischer halten aus nostalgischen Gründen eine Fangmethode aufrecht, die zur Eigenheit der Gegend gehört und die es zu bewahren gilt. Die Zeiten, wo Berufsfischer Blank mit wenigen Netzzügen 100 Nasen fing, sind leider endgültig vorbei. Sein grösster Fang, zu Beginn der 50er Jahre, vor Erstellung des Kraftwerks Birsfelden, mit einem einzigen Netzzug, waren sage und schreibe 81 Nasen.

Hauptsächlich werden bezw. wurden Rotaugen, Nasen, Barben und Brachsmen gefangen. Gelegentlich Barsche und Karpfen. Hechte und Zander, auch Forellen, sind schon Raritäten. In letzter Zeit werden aber auch ab und zu respektable Welse und Rapfen erbeutet, vornehmlich durch Angelfischer. Kleinfische, z.B. Lauben, schlüpfen durch die vorgeschriebene Maschenweite von 3 cm.

 

 

 


Der Galgen ist ein typisches Fanggerät bei überdurchschnittlich hohen Wasserständen, bei denen die Fische gezwungen sind, wegen starker Strömung ruhigere Uferzonen aufzusuchen. Wer erfolgreich mit dem Galgen fischen will, muss wie bei anderen Fangmethoden auch, neben viel Geduld und Ausdauer einige Verhaltensweisen beachten. Dies neben dem alles entscheidenden Standort  an günstigen Strömungsverhältnissen und dem Bau einer Buhne, die dann ein Hinterwasser bildet. Die besten Aussichten bieten sich bei steigendem Wasser sowie abklingendem Hochwasser, wenn das Wasser wieder lauter wird.

Die Wassertemperatur ist sehr wesentlich. Rheinfische „ziehen“ erst bei etwa 12 Grad C. Das Netz muss straff gespannt sein, damit es auf dem Flussgrund nicht flattert. Ist es mit Algen verunreinigt, müssen diese entfernt werden. Dies geschieht sehr wirkungsvoll, wenn eine elastische Haselgerte von unten gegen das Netz geschlagen wird. Die Enden der eisernen Netzbügel müssen mit Holzpflöcken versehen sein, damit das Eisen nicht direkt auf dem Kiesgrund aufliegt und unnatürliche Geräusche verursacht. Die Kadenz beim Hochdrehen sollte kurz sein, 1 bis 3 Minuten soll das Netz im Wasser liegen, dann soll es hochgedreht werden. Ruhiges Verhalten auf dem Galgen gehört auch dazu. Die beste Fangzeit ist der Tagesanbruch.

Die Galgenfischer sind grosse Individualisten, die ihrem Freizeitvergnügen gerne selbständig, ruhig, nach Lust und Laune, nachgehen. Sie geniessen die beschauliche, eigenartige Stimmung am Ufer und finden dort Erholung in der eindrucksvollen Ambiance , die einem grossen Strom eigen ist.

Hoffen wir, dass diese Idylle inmitten der hektischen, nur wenige Meter nebenanliegenden Industrielandschaft noch einigermassen erhalten bleibt. Allerdings: die Urbanisierung der bislang noch mehr oder weniger grünen Rheinebene schreitet mit Riesenschritten voran. Auch der bisher ruhige, einfache Rheinuferweg muss intensiverer „Nutzung“ zugeführt werden.

Die Galgen sind Privateigentum. Ausnahme ist ein Galgen im Kantonsbesitz, der Privaten verpachtet wird. Handänderungen sind selten, zudem werden oft horrende Liebhaberpreise geboten.

Im Augster Rhein ist auch Angelfischerei durchaus möglich. Die Gemeinde hat entgegenkommenderweise die Kartenausgabe an Interessierte übernommen. Die Jahreskarte kostet zur  Zeit Fr. 35.--. Rund 100 machen davon Gebrauch.

Eine freundnachbarliche Vereinbarung, gegen Entrichtung einer bescheidenen Pauschale, mit dem Fischerverein Birsfelden,  erlaubt deren Rheinkarten-Inhabern ebenfalls die Fischerei im Bann Augst.

Die Bewirtschaftung obliegt dem Kanton. Jungfischeinsatz erfolgt im Rahmen der Empfehlungen der  Hochrheinkommission. Dies ein Gremium aus Behördenvertretern von Baden- Würtemberg und den Schweizer Rheinanliegerkantonen. Baselland betreibt, zusammen mit Basel, zusätzlich Aufzucht von Nasen und Rheinforellen für den Rheinbesatz. Auch das Lachsprogramm läuft weiter.


Soweit ein kurzer Ueberblick. Die Beziehungen zur Rheinfischerei in der Region sind nicht zuletzt dank Augusta Raurica seit 2000 Jahren intensiv dokumentiert. Aktuelle Literatur der letzten Jahre:


Fisch und Fischer aus zwei Jahrtausenden, ISBN 3-7151-0039-7

Augst und Kaiseraugst: zwei Dörfer, eine Geschichte (2 Bände) ISBN 978-3-85673-671-2

Max Baumann: Fischer am Hochrhein, ISBN 3-7941-3746-9 (z.Zt. leider vergriffen)
 

Die Galgenbären am Rhein

 

Die Galgenbären am Rhein


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